Sport und AD(H)S

Wem ist er nicht mehr in Erinnerung: der Sportunterricht in der Schule? Für diejenigen, die sich gern bewegen, kommen positive Erinnerungen daran, sich im Sport endlich bewegen zu dürfen, nicht still sitzen zu müssen. Das wird zunächst zweifelsfrei erst einmal auch von Kindern mit ADHS als positiv empfunden. Aber schauen wir näher hin, so wird ihnen bewusst: Sportunterricht in einer Halle oder im Freien bedeutet auch, von vielen Geräuschen umgeben zu sein (ausgelöst durch die Mitschüler, den Lehrer oder auch von Geräten), Unmengen visueller Reize ausgesetzt zu sein (sich bewegende Mitschüler, Sportgeräte). Eine Fülle von permanent wirkenden Reizen auf alle Sinne, die es zu sortieren gilt, zu hierarchisieren hinsichtlich ihrer Bedeutung für eine gezielte motorische Handlung , und eben entsprechend zu verarbeiten. Damit verbunden machen sich Selektionen von Reizen erforderlich, deren Verstärkung oder Unterdrückung. Welch große Aufgabe für Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen!
Dann gilt es auch noch, bei all dieser Reizfülle permanent zu beobachten, wie sich das Handlungsgeschehen verändert, um z.B. in Spielsituationen schnell seine Handlung zu stoppen, um eine andere, passendere einzuleiten, wenn z.B. bei einem Ballspiel das Zuspiel zu einem anderem Ort als den, wo man sich gerade befindet, erfolgt. Da heißt es permanent genau hinzuschauen, nachzudenken, die eigene motorische Handlung abzubremsen und umzustellen – welche Aufgabe für jemanden, der eher impulsiv statt planvoll und zielgerichtet zu handeln!

Die offene “Unterrichtssituation “scheint zunächst ein die Symptome von AD(H)S begünstigender Faktor zu sein. Auf dem ersten Blick wirken die spezifischen Bedingungen des Sports, nämlich eine Sporthalle als relativ großer und vielgestaltiger Raum oder der offene Platz (Schulhof, Sportplatz) eher als aufmerksamkeitserschwerende bzw. die Hyperaktivität verstärkende Faktoren. Doch verfügt der Sport über ihn eigene Methoden wie die Verfahren des Übungsablaufs, Methoden der Organisation und der Bewertung, die – sinnvoll genutzt – eine große Rolle im Sport mit ADHS-Kindern spielen können. Auch der Sport kann ein Feld sein, das zur Verhaltensmodifizierung mit nutzbar ist.
Die Kinder bewegen sich gern, und im Sport können sie sich bewegen. Die Kinder benötigen eine gewisse Regelhaftigkeit, und dem Sport sind Regeln immanent: sei es bei Sportspielen vorgegebene oder für das Sporttreiben zur Unfallverhütung sowie im sportlichen Vergleich selbst vereinbarte Regeln. Gewissermaßen in spielerischer Form ordnen sich Kinder dieser Regeln und auch der Organisation beim Üben nach festen Ablaufschemata unter.
Damit stellt der Sport nicht nur ein Feld des Austobens dar. Er kann gezielt zur Verhaltensbeeinflussung genutzt werden. Wirksam werden die verhaltensmodifizierenden Potenzen des Sports jedoch nur, wenn sie dem Sportpädagogen selbst bekannt sind und sein Vorgehen davon geprägt ist. Das Lehr- und Forschungsprojekt an der Hochschule Fulda fühlt sich seit seinem Start 2007 diesen Aspekten verpflichtet.

Wir empfehlen Ihnen, sich doch mal unsere Sportgruppen näher anzusehen oder, falls Sie noch wissenschaftlich-detailliertere Informationen wünschen, folgenden Artikel zu studieren: Wirkmechanismen von Sport für AD(H)S